East of Dolores
Den Aussichtspunkt oberhalb der Dolores River - Mündung auf Hotel Mesa hatten wir besucht. Das war aber nur ein Abstecher auf einer längeren Tour, die uns der Planung nach bis Gateway, Colorado führen sollte. Durch den Canyon des Rivers führen von Norden her keine Trails, von Westen gibt es nur die bekannte Route von Moab über die Gateway Road.
Östlich des Dolores Rivers befindet man sich schon auf der Flanke des Uncomphagre Uplifts, wo Reiseziele wie das Colorado National Monument, Mee Canyon und Rattlesnake Canyon mit seinen imposanten Arches zu finden sind. Gateway kann von Osten her über den Unaweep Canyon erreicht werden, die Verbindungen hinauf auf den Uplift sind schlecht, teilweise regelrecht abenteuerlich.
Das Gebiet östlich des Flusses gehört ab einer Linie nördlich von Gateway zum Bundesstaat Utah, hat mit seiner schlechten Erreichbarkeit von dort eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Arizona Strip im frühen 20. Jahrhundert. Entweder man fährt sehr grosse Umwege, z.B. über das Colorado National Monument oder man muss eine Stelle finden, wo es möglich ist durch den Fluss zu kommen. Letzteres war uns gelungen, was uns hier weiter erwarten würde, davon hatten wir nicht den Hauch einer Ahnung, auch wenn wir ein paar Jahre zuvor vom Dolores River Canyon Overlook von der Westseite hinübersehen konnten. Locals bezeichnen das Gebiet östlich des Dolores Rivers, das zu Utah gehört, auch als Dolores Triangle.
Wir fahren vom Confluence Overlook zurück auf die Road, biegen bei 12S 0652488 4299985 nach links - Norden - ab, fahren also nicht mehr hinunter ins Rincon und zum Fluss. Die Road ist recht gut, aber auch ereignislos. Nach rund 6 Meilen wird es uns zu langweilig. Ausserdem wollen wir nach Süden und nicht nach Norden! Südlich von unserer Route verläuft allerdings erst einmal der Buckhorn Draw, durch den keine Trails führen, die mit unserer Road in Verbindung stünden.
Bei 12S 0655207 4304275 fahren wir fast an einem abzweigenden Trail vorbei, der östlich der Buckhorn Mesa nach Osten zieht. Hier gibt es wenigstens rechts vom Weg eine wenn auch niedrige Clifflinie. Nach links können wir in recht grosser Entfernung weitere Cliffs erkennen, zwischen jenen und uns verläuft offenbar ein Canyon.

Langsam dreht die holprige Spur etwas mehr nach Südost ab. Da auch der River nördlich von Gateway im Mittel nach Nordwesten fliesst, wäre das generell keine schlechte Richtung. Ab und an führen Spuren vermutlich ins Nichts.

Unsere Entscheidung abzubiegen war nicht die allerbeste. Wir kommen nur langsam vorwärts. Aus unseren Logfiles entnehmen wir später, dass wir auf einer längeren, besseren Route aller Wahrscheinlichkeit nach schneller vorangekommen wären.




Wir machen Pause. Lady ist nicht sonderlich angetan von meiner Routenplanung . Ich überrede sie weiterzufahren, in der Hoffnung, das es näher an Gateway nur besser werden kann. Das wird sich als Irrtum herausstellen. Davon später mehr.


Das Bild ändert sich, als wir südöstlich der Scharf Mesa zum Granite Creek hinunterfahren. Rechts begleiten uns rotweisse Entrada(?)-Cliffs. Der Weg führt an ihnen entlang, über eine Abzweigung ginge es richtig zum Creek hinunter. Wir fahren erst mal nach Südwesten und damit auf den Dolores River zu.


Der Name des Creeks hat nichts mit den hier anstehenden Gesteinen zu tun. Hier gibt es nur Sedimentgestein und keinen Granit. Namensgebend sind weiter östlich liegende Abschnitte des Canyons, der hier sehr unscheinbar daherkommt, höher oben auf dem Uncomphagre Uplift aber gut 400 Meter tief ist.

Das Gate ist offen, aber wir fahren trotzdem nicht hinunter zum River, denn früher hatten wir die Road auf der anderen Seite gesperrt vorgefunde, als wir von der Entrada Bluffs Road versuchten, den Fluss zu erreichen.
Also zurückfahren und den Trail, der in den Granite Creek Canyon führt. Auf der anderen Seite geht es auf jeden Fall weiter.

Hier bietet die Landschaft mehr fürs Auge. Unten am Creek, in dem das Wasser fliesst, ist es sogar sehr grün. Wir entdecken so etwas wie einen Rastplatz und beschliessen - wie so oft vie zu spät am Tag - ein Lunch einzunehmen.




Aus dem Canyon des Creeks zieht der Trail nach Südosten, um Steamboat Mesa im Osten zu umgehen. Zwischen der Erhebung und dem River ist kein Durchkommen.


Der Trail entfernt sich vom Canyon, zieht durch lockeren, niedrigen Wald aus Pinions und Juniper. Holprige Strecke, kein flottes Fortkommen möglich. Dabei würden wir uns genau das sehnlichst wünschen, denn inzwischen ist es 6 p.m. und in etwas mehr als 2 Stunden wird es dunkel sein. Langsam zweifeln wir daran, das wir hier noch im Hellen herauskommen. Deswegen legen wir auch nur noch Stops ein, wenn der Körper es verlangt.


Dann taucht der wesentlich tiefer gewordene Canyon des Dolores Rivers in einiger Entfernung auf und die bekannte Pyramide der Gateway Palisade schiebt sich ins Blickfeld.

Wir müssen nach Osten abbiegen, denn dieser Weg hier endet auf einer Felskante 400 Meter über dem River und unterhalb eines 200 Meter hohen Cliffs der Steamboat Mesa. Das könnte reizvoll sein, aber dafür fehlt uns jetzt eindeutig die Zeit.
Den nach Osten abgehenden Trail verfehlen wir erst einmal, müssen eine Viertel Meile zurück. Besser wird die Strecke nicht! Nach einer dreiviertel Meile - und was für einer! - erreichen wir die Colorado State Line. Oder vielleicht doch nicht?


Der Trail schlängelt sich durch den niedrigen Wald - steinig und reifenmordend. Ein Ende ist nicht abzusehen und ein Gewitter zieht auf uns zu.

Die Ausläufer eines Regengebiets erreichen uns, machen den Trail seifig. Da es keine steileren Abschnitte gibt entsteht daraus kein echtes Problem. Das Fahrzeug schlingert gelegentlich und an den Seiten fliegt nasser Boden hoch. Kaum fünf Minuten später ist der Spuk vorbei, die abendliche Sonne kommt wieder durch die Wolkenlücken.




Inzwischen ist es 7 p.m. geworden. Noch eine Stunde Tageslicht. Das GPS zusammen mit der Kartensoftware zeigt, das wir nicht mehr weit von dem Trail, der uns hinunter nach Gateway bringen soll, entfernt sind. Allerdings befinden wir uns runde 920 Meter über dem Niveau des Flusses und wir kennen die Spur!
Die ersten 4-500 Höhenmeter sind die schlimmsten, kosten schon Überwindung. Nur - haben wir eine andere Wahl? Haben wir nicht, es sei denn wir entscheiden uns hier oben auf knapp 2.300 Metern Höhe zu übernachten. Entweder wir fahren alles zurück oder versuchen uns ganz hinauf auf den Uplift in Richtung Glade Park durchzuschlagen, wo uns wahrscheinlich noch 40 oder mehr Meilen der Güte der letzten Stunden erwarten oder wir fahren hier runter ins Tal. Eine Verbindung zur CO 141, die von Gateway durch den Unaweep Canyon nach Whitewater am Gunnison River verläuft, gibt es praktisch nicht. Erst ganz kurz vor Whitewater erreicht wieder ein Trail/Road die 141.
